Weser-Kurier - 3.7.2013

Autorin: Gabriele von Döllen

 

Die Band Cajun X gibt im Cultimo ein umjubeltes Konzert / Niveauvolle Stimmung auf der Bühne

 

Auf den Spuren französicher Siedler

   Mit lebensfroher Folkloremusik der französichen Siedler des Mississippi-Deltas begeisterte die Gruppe Cajun X aus Zeven das Publikum im Cultimo in

Kuhstedtermoor.

 

   Die Abschlussveranstaltung vor der Sommerpause bescherte dem Cultimo erneut ein volles Haus. Die noch junge Band Cajun X hat sich – nomen est omen – der Musik der französischstämmigen Siedler des Mississippideltas verschrieben und riss das Publikum bereits mit den ersten Klängen mit. Bandleader Manfred Fränkel gab ganz nebenbei einen unterhaltsamen Geschichtsunterricht und nahm seine Zuhörer mit auf die Reise der Auswanderer.

 

   "In der Atlantikprovinz Neuschottland kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Schotten, Engländern und Franzosen. Ein Teil der französischen Siedler machte sich auf eine lange Reise." Im Sumpfland von Louisiana fanden sie eine neue Heimat. Aus dem Namen der Region - Arkadien - wurde durch englisch-französische Sprachvermischung und den Einfluss der Dialekte "Cajun". Das Wort bezeichnet sowohl die Region als auch die Musik dieser Einwanderer. "Im Text findet sich viel Herz und Schmerz, die Cajuns wollen in den Texten viel sterben", erzählte Fränkel.

 

   Wer nun Schwermut und Traurigkeit erwartete, wurde getäuscht, denn die Texte stehen oft im Widerspruch zur Musik. Fröhlich und lebensfroh begeisterten Cajun X mit ihrer Folklore und brachten die Zuhörer bereits bei den ersten Songs zum Mitwippen und Mitklatschen. Wäre das Cultimo nicht bis auf den letzten Platz besetzt gewesen, hätte es keinen der Zuschauer auf seinem Platz gehalten. Cajun X brachten niveauvolle Stimmung auf die Bühne, die durch die humorvollen Beiträge Fränkels ideal ergänzt wurden.

 

   Wer die Augen schloss, konnte sich mit etwas Fantasie in das 16. Jahrhundert zurückversetzen, in das entbehrungsreiche Leben der Siedler, die dennoch fröhliche Feste feierten und so ihre Lebensfreude zum Ausdruck brachten. Das Publikum fand auch bekannte Texte und Melodien wie Jambalaya, bei dem der karibische Einfluss deutlich wurde. "Kein Wunder", meinte Fränkel. "In der Gegend gab es viele Farbige, die mit ihren Rhythmen auch die Cajun-Musik beeinflussten."

Cajun X versuchten, alle Nuancen der Siedler ins Cultimo zu bringen. "Leider besteht ungefähr die Hälfte der Musik aus Walzern, die sich sehr ähnlich anhören", kündigte Fränkel an. Daher versahen die Musiker das Ganze mit einer regionalen Note. Mit plattdeutschem Text und Cajun-Refrain, dazu etwas musikalisch verfremdet erntete die Gruppe mit diesem Beitrag tosenden Applaus. Wer hätte vorher gedacht, dass "Uns Pastor sin Kauh" sich für einen Cajun-Walzer eignet?

 

In jedem Song steckt viel Arbeit

 

   Die Suche und das Arrangement der Stücke ist Aufgabe von Manfred Fränkel, der vor drei Jahren eher durch Zufall die Cajun-Musik für sich entdeckte. "Eine Akkordeonschülerin, die regelmäßig in das Cajun-Gebiet fährt, brachte die Noten mit. Wir haben sie gemeinsam bearbeitet und die Musik hat mich gepackt", erklärte Fränkel. Eine alte CD gab den Anknüpfungspunkt und das Ganze entwickelte sich langsam zu einer Band. Die Geigenspielerin kam dazu, dann eine Sängerin. "Erst seit einem Jahr haben wir ein abendfüllendes Programm", sagt Fränkel.

 

   Zu jedem Song gehöre Recherche, darin stecke viel Arbeit. Und manchmal helfen zufällige Ideen, ein antiquiertes Stück zu entstauben und originell auf die Bühne zu bringen. "‘Allons à Lafayette‘ gehört zu den traditionellen Stücken", meinte Fränkel. Aber zu diesem Song gab es keinen echten Zugang. Im Cultimo präsentierten sie ihn als Teil eines Handygespräches zwischen Mutter und Tochter: Originell verpackt und mitreißend versuchte Sängerin Claudia Buhmann ihre Tochter von der Reise in die "sumpfige Großstadt" abzuhalten.

 

   Claudia Buhmann überzeugte den gesamten Abend über durch leidenschaftliche Tänze und Gesänge, deren Begeisterung sich auf das Publikum übertrug. Christiane Träger (Geige), Gerd Rudlof (Gitarre), Manfred Fränkel (Akkordeon) und Hajo Olfs (Cajòn, Bodhran, Perkussion) sorgten für ein musikalisches Feuerwerk, das die Gäste nach drei Stunden beschwingt mit Bill Haleys "See you later Alligator" in die Sommernacht entließ.

 

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See you later, alligator !